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Rad am Rhein ist umgezogen. Nach zehn Jahren erfolgreicher Zusammenarbeit probieren die Kreisverbände links und rechts des Rheins seit Früjahr 2011 unterschiedliche Wege. Das Magazin der Düsseldorfer ADFC heißt weiter Rad am Rhein und ist jetzt hier zu finden. Die ADFC-Verbände Rhein-Kreis Neuss und Krefeld/Viersen haben ein eigenes Magazin "Rad am Niederrhein" aufgelegt, das Sie hier finden können.

Radfahrer auf die Straße!

vergrößernBürgersteig mit rotem Radweg
 
 
Wenn Verkehrsflächen neu verteilt werden, gibt es immer wieder denselben Verlierer: den Bürgersteig und damit die Fußgänger, Rollstuhlfahrer und Kinder. Werden „Schutzräume“ für den Fahrradverkehr oder zusätzliche Autoparkplätze gewünscht, wird meist nicht die Fahrbahn verengt, sondern der Bürgersteig missbraucht. Radwege auf Kosten der Rollgeschwindigkeit des motorisierten Verkehrs sind für viel zu viele Städteplaner undenkbar. Ein Radweg auf dem Bürgersteig tut es doch auch.

Bürgersteige sind jedoch nicht nur Wege, sondern auch Aufenthaltsflächen. Wo sonst kann man mit dem Nachbarn spontan ein Schwätzchen halten? Wo sonst können Kinder sicher erste Erfahrungen mit dem Rad sammeln? Leider haben Fußgänger nur eine schwache Lobby, obwohl ja jeder Mensch erst einmal Fußgänger ist. Auch Behindertenvertreter müssten sich offensiv gegen den zunehmenden Missbrauch der Bürgersteige zur Wehr setzen.

Radwege auf dem Bürgersteig beeinträchtigen nicht nur den Fußgänger, sondern genauso den Radfahrer. Fahrradfahrer haben das gleiche Recht wie Autofahrer sicher und zügig ihr Ziel zu erreichen. Dies ist auf dem Bürgersteig nicht möglich. Radwege auf Bürgersteigen sind Wege zweiter Klasse und so werden sie auch behandelt: Manche stellen ihr Auto und ihre Mülltonne drauf oder führen ihren Hund dort Gassi, aber was das Schlimmste ist: Radfahrer werden dort übersehen. Was nicht auf der Fahrbahn ist, existiert für Autofahrer (zunächst) nicht und wird an Kreuzungen und Einmündungen oft zu spät erkannt.

Radfahrer sind keine Fußgänger auf zwei Rädern!

Radfahrer sind Führer eines Fahrzeugs und Fahrzeuge gehören auf die Fahrbahn. Was sollen Fahrräder also auf dem Bürgersteig? Gebt den Fußgängern den Bürgersteig wieder zurück und schafft in den Städten Radstreifen oder Umweltspuren entlang aller Hauptstraßen! Die Rechtslage: Fortschrittlicher, als viele annehmen! Vielerorts wird noch ignoriert, dass die oben gestellten Forderungen im Prinzip bereits gesetzlich verankert sind. In der Verwaltungsvorschrift zur Straßenverkehrsordnung steht:

„Benutzungspflichtige Radwege dürfen nur angeordnet werden, wenn ausreichende Flächen für den Fußgängerverkehr zur Verfügung stehen. Sie dürfen nur dort angeordnet werden, wo es die Verkehrssicherheit oder der Verkehrsablauf erfordern. Innerorts kann dies insbesondere für Vorfahrtstraßen mit starkem Kraftfahrzeugverkehr gelten. [...] Voraussetzung für die Anordnung einer Benutzungspflicht ist auch, dass der Radweg nach den allgemeinen Regeln der Baukunst und Technik in einem den Erfordernissen des Radverkehrs genügenden Zustand gebaut und unterhalten wird und die Linienführung im Streckenverlauf und die Radwegeführung an Kreuzungen und Einmündungen auch für den Ortsfremden eindeutig erkennbar, im Verlauf stetig und insbesondere an Kreuzungen, Einmündungen und verkehrsreichen Grundstückszufahrten sicher gestaltet sind.“

Die Politik: Zukunftsweisende Prioritäten setzen!

Auch wenn sich viele Politiker inzwischen in der Öffentlichkeit fahrradfreundlich geben, werden Mehrheitsentscheidungen in den Stadt- und Bezirksparlamenten immer noch sehr häufig zugunsten des Autoverkehrs getroffen. Spätestens in den Haushaltsberatungen wird die Radverkehrsförderung zur Restmittelverwendung degradiert. Während für Autofahrbahnen selbst bei angespannter Finanzlage noch Instandhaltungsmaßnahmen bewilligt wurden, fielen in manchen Städten die Mittel für die Unterhaltung und Modernisierung der Radverkehrsanlagen in den letzten Jahren gänzlich dem Rotstift zum Opfer. Dabei hat die Bundesanstalt für Straßenwesen mit einer aktuellen Untersuchung noch einmal belegt, dass ein möglicher Sicherheitsgewinn vor allem vom Zustand und nicht vom einfachen Vorhandensein eines Radwegs abhängig ist. Dabei könnten die Verkehrsplaner aus der Not eine Tugend machen und alte Bordsteinradwege aufgeben zugunsten von Führungen auf oder an der Fahrbahn. Die erforderlichen begleitenden Maßnahmen kosten in der Regel weniger als eine fachgerechte Sanierung alter Radwege.

Rüdiger Heumann, Andreas Domanski