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Rad am Rhein ist umgezogen. Nach zehn Jahren erfolgreicher Zusammenarbeit probieren die Kreisverbände links und rechts des Rheins seit Früjahr 2011 unterschiedliche Wege. Das Magazin der Düsseldorfer ADFC heißt weiter Rad am Rhein und ist jetzt hier zu finden. Die ADFC-Verbände Rhein-Kreis Neuss und Krefeld/Viersen haben ein eigenes Magazin "Rad am Niederrhein" aufgelegt, das Sie hier finden können.

Mehr Licht? Zur Diskussion um das Tagesfahrlicht

Seit Mai 2006 läuft im Landkreis Kleve die Aktion „Fahre mit Licht“, die Autofahrern nahelegt, auch tagsüber mit Licht zu fahren. Diese Aktion folgt damit der Empfehlung des ehemaligen Verkehrsministers Stolpe.

Laut einer von ihm in Auftrag gegebenen Literaturstudie sollen durch das Tagesfahrlicht die Unfallzahlen um ca. 3% reduziert werden, weil Verkehrsteilnehmer besser zu sehen sind [1]. Begründet wird diese Maßnahme häufig mit der höheren Verkehrssicherheit in Skandinavien, wo das Tagesfahrlicht schon seit langem vorgeschrieben ist. Der ADFC [2] (wie auch der AvD [3]) lehnt das Tagesfahrlicht hingegen ab, da es die Sicherheit der ohnehin bereits benachteiligten Fahrradfahrer und Fußgänger gefährdet. Die Beleuchtung zieht die Aufmerksamkeit der Autofahrer noch mehr auf die im Vergleich zu Zweiradfahrern großflächigen, gut sichtbaren Fahrzeuge. Blendeffekte führen zusätzlich zu einer verschlechterten Wahrnehmbarkeit der Radler. Fahrradfahrer werden somit im Verkehr quasi unsichtbar. Vor etlichen Jahren hatte der Gesetzgeber die Tageslichtpflicht für Motorradfahrer eingeführt, damit sie sich besser abheben. Auch diese Gruppe würde durch das generelle Tagesfahrlicht wieder erheblich mehr gefährdet.

Der ADFC-Bundesvorstand hat auf der letzten Hauptversammlung leider erklärt, dass er keine Kampagne gegen das Tagesfahrlicht starten werde, sondern nur auf die Mitarbeit in Fachgremien und –kongressen setze. Angesichts der hinter der Umrüstung stehenden wirtschaftlichen Interessen der Automobilbranche sowie großformatiger Zeitungsanzeigen des Bundesverkehrsministeriums sehe man keine Chance auf Durchsetzung der ADFC-Position.

Der ADAC war bis vor kurzem ebenfalls gegen die Einführung des Tagesfahrlichts unter anderem mit dem Hinweis auf den sich ergebenden Mehrverbrauch von ca. 0,2 l/100 km, was ca. 670 Millionen Euro jährlich [4] entspricht. In letzter Zeit unterstützt er jedoch die Empfehlung vor allem mit der Forderung nach einer einheitlichen Regelung in der EU. Eine solche europaweite Gesetzgebung wird jedoch den regional unterschiedlichen Gegebenheiten nicht gerecht. So verweist der ADFC-Verkehrsexperte Detlev Gündel [5] darauf, dass der Anteil des Fuß- und Radverkehrs in Skandinavien aufgrund der Siedlungsstruktur deutlich von der in Deutschland abweicht. Außerdem treten wegen der flacher einfallenden Sonne im Norden sehr viel häufiger Blendeffekte auf. In Dänemark ist seit der Einführung des Tagesfahrlichts sogar ein Anstieg der Kfz-Fußgänger-Unfälle von 16 % nachgewiesen. Auch einige Studien aus Frankreich und Österreich können keinen Rückgang der Unfallzahlen feststellen.

Es ist ferner zu befürchten, dass bei den Autofahrern eine gewisse „Risikokompensation“ einsetzt, indem aufgrund der gesteigerten scheinbaren Sicherheit riskanter gefahren wird. Bei einer verbindlichen Einführung des Tagesfahrlichts müssten die schwächeren Verkehrsteilnehmer die entstehenden Probleme wahrscheinlich durch noch defensiveres Verhalten ausgleichen. Verursachergerecht ist das sicherlich nicht...

Jan Bartels