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Rad am Rhein ist umgezogen. Nach zehn Jahren erfolgreicher Zusammenarbeit probieren die Kreisverbände links und rechts des Rheins seit Früjahr 2011 unterschiedliche Wege. Das Magazin der Düsseldorfer ADFC heißt weiter Rad am Rhein und ist jetzt hier zu finden. Die ADFC-Verbände Rhein-Kreis Neuss und Krefeld/Viersen haben ein eigenes Magazin "Rad am Niederrhein" aufgelegt, das Sie hier finden können.

Urlaub vor der Haustür

Der nördliche Niederrhein bietet reichlich Abwechslung für mehr als nur ein Wochenende. Herzstück ist das Naturschutzgebiet De Gelderse Poort mit seinen Altrheinarmen, Auwäldern und ausgedehnten von einem überwiegend fahrradgerechten Wegenetz durchzogenen Wiesen und Weiden.

Vor allem Vogelfreunde kommen auf ihre Kosten: Häufig kann man Kiebitze, Schnepfen, Gänsescharen und Störche beobachten. Dennoch ist man hier nicht „am Ende der Welt“, denn im benachbarten Nijmegen, der ältesten Stadt der Niederlande, pulsiert das Leben.

Man kann entweder vor der Haustüre per Rad starten und in einer Tagesetappe anreisen oder in ein bis zwei Stunden aus dem Großraum Düsseldorf mit der Bahn nach Goch oder Kevelaer fahren. Diese beiden Städtchen bieten sich als Ausgangspunkte an.

Die Tour lässt sich mit allen Sehenswürdigkeiten durchaus zu einer einwöchigen Radreise ausbauen. Es lohnt sich, die Tagesetappen nicht zu lang zu wählen, um genügend Zeit für Besichtigungen oder einfach das Naturerlebnis zu haben. Eine vorherige Zimmerreservierung oder zumindestens –anfrage ist angebracht, da die Quartiere nicht so zahlreich sind wie in anderen Ferienregionen und in der Regel eine gute Auslastung haben.

Die Variante für Naturfreunde soll hier näher beschrieben werden, mit einigen Hinweisen auf Ausbaumöglichkeiten.

Auf den Strecken gibt es keine großen Steigungen. Nur im Raum Bedburg-Hau ist die Landschaft etwas wellig und wenn man die Altstadt von Kleve oder Nijmegen erkunden will, sind Höhenunterschiede von 30 - 50 m zu überwinden, da ein Geländeplateau mitten durch beide Städte verläuft. Man kann die Steigungen aber umfahren.

Streckenbeschreibung:

Unsere Tour beginnt in Goch. Wir fahren vom Bahnhof auf der Ostseite der Gleise nach Norden Richtung Pfalzdorf. Pfälzer Auswanderer, eigentlich auf dem Weg nach Amerika, siedelten sich hier 1741 an. Weiter geht es zur Filialsiedlung Louisendorf, ca. 6 km östlich. Interessant ist der Grundriss: Vier Straßenzüge bilden ein Quadrat wie vom Reißbrett um die Dorfkirche auf einem flachen Hügel. Weiter geht es nach Nordwesten über Schneppenbaum nach Qualburg. Wir folgen der Rhein-Waal- Route durch Kellen bis Griethausen. Für einen Besuch der Halbinsel Salmorth mit der Siedlung Schenkenschanz, die bei Hochwasser allein aus den Fluten ragt, kann man in Griethausen über die Brücke und am Griethausener Altrhein entlang nach Westen fahren. Mit der Fähre erreicht man in Düffelward wieder das „Festland“. Ohne diesen Abstecher bleiben wir auf dem Deichweg und genießen immerhin den schönen Ausblick auf die Halbinsel. Bis hier sind es ca. 25 km. Die weitere Route hängt vom Übernachtungsquartier ab: Kleve, Kranenburg und das niederländische Ooij - falls zuvor reserviert - kommen in Frage (siehe Infokasten).

Wir haben ein Zimmer im urigen Hotel-Café Oortjeshekken, einige Kilometer vor Nijmegen, gebucht und fahren weiter auf dem Deich nach Norden, Richtung Millingen aan de Rijn. Hier teilt sich der deutsche Rhein in die Waal und den Pannerdensch Kanal, den wir auf dem Rückweg auf der anderen Seite überqueren werden. Am nördlichen Ortsausgang von Millingen zweigt der C. R. Weiboerweg ab, der im weiteren Verlauf (stellenweise etwas sandig) vorbei an weidenden Galloway-Rindern zum Millinger Theetuin (Teegarten) von Coen van den Boogard führt. Auf mehreren Ebenen gedeiht hier eine exotische und einheimische Blütenpracht und man kann gegen eine geringe Eintrittsgebühr unter schattigen Bäumen bei einer Tasse Tee oder Kaffee ausruhen. Eine solche Oase hätte man in dieser urwüchsigen Landschaft nicht erwartet.

Danach folgen wir weiter dem Weg durch die Rheinauen, bis wir in Keekerdom wieder auf den Rheindeich stoßen. Mit etwas Glück kann man am westlichen Ortsrand Störche auf ihrem Nest beobachten. Der Deichweg führt in einem weiten Bogen an malerischen Altwassern und Teichen vorbei um einen Bogen der Waal. Auch hier gibt es häufig Gelegenheit, verschiedene Vogelarten in den Feuchtgebieten zu beobachten.

Unser Übernachtungsquartier liegt zwischen dem Dorf Ooij und dem Badesee „Bizonbaai“. Bei gutem Wetter kann man Abendessen und Frühstück auf der gemütlichen Terrasse einnehmen.

Am nächsten Tag fahren wir von der Straßengabelung gleich hinter dem Hotel auf der „Ooijse Bandijk“ in das Naturschutzgebiet Ooijpolder. Nach etwa 1,5 km erreicht man einen Aussichtspunkt inmitten von kleinen Seen, kargen Freiflächen und extensiv bewirtschaftetem Grünland. Von hier aus konnten wir im Mai 2006 mit dem Fernglas eine Storchenfamilie im Nest beobachten. Im weiteren Verlauf gelangt man wieder auf den Deichweg, der nach Nijmegen führt. Die Waalbrücke ist schon von weitem zu sehen.

Die alte Römerstadt bietet genügend Sehenswürdigkeiten für mehrere Tage. Ein Besuch der höher gelegenen Altstadt mit zahlreichen Lokalen, eine Visite im muZIEum für visuelle Wahrnehmung und Schiffstouren kommen in Frage. Wir statten nur dem Fietsmuseum Velorama an der Uferpromenade einen Besuch ab, denn wir wollen heute noch bis Rees radeln.

Um für die Weiterfahrt auf die hoch gelegene Waalbrücke zu gelangen, nutzt man am besten die Wege durch den unterhalb der Brückenrampe gelegenen Park der ehemaligen Barbarossapfalz Valkhof, weiter durch den Hunnerpark, am stattlichen Turm des Gourmetrestaurants Belvedere vorbei bis zur Schnellstraße. Als Orientierung kann der zunehmende Verkehrslärm dienen.

Den lassen wir auf der anderen Seite der Waal schnell hinter uns und folgen auf dem Deich der Rhein-Waal-Route. Es geht auf dem weitgehend autofreien Wegen flussaufwärts. Wir fahren zwischen Teichen, Poldern und Naturschutzgebieten, die teilweise aus ehemaligen Militärflächen entstanden sind, hindurch. Auch hier gibt es immer wieder Vogelschwärme zu beobachten. Mit der Fähre überqueren wir den Pannerdensch-Kanal, bleiben weiter auf der Rhein-Waal-Route und erreichen nach 4 km auf etwas verwinkelten, aber gut befahrbaren Wegen an alten Ziegeleien vorbei die kleine Fähre vom Wassersportgebiet Bijland nach Millingen.

Hier bieten sich zwei Möglichkeiten für die Weiterfahrt an: Entweder übersetzen (April - Sept. 8 - 18 Uhr stündlich) und von Millingen zurück Richtung Kleve oder weiter am Rhein entlang. Wir entscheiden uns für die zweite Variante. Bis Emmerich verläuft unsere Route auf dem Rheindeich oder parallel dazu auf Wirtschaftswegen. Die imposante Emmericher Rheinbrücke kündigt das Etappenziel frühzeitig an. Nach der Brücke bleibt keine Alternative zur B8, aber die Innenstadt bzw. die Promenade ist schnell erreicht. Frisch gestärkt in einem der zahlreichen Cafés geht es um das Hafenbecken herum, etwa 1,5 km entlang der B8 und dann am Ende des Industriegebiets rechts zum Deich, der bis Praest führt. Hier stoßen wir wieder auf die B8. Der Grietherorter und Bienener Altrhein muss auf einem separaten Radweg an der Bundesstraße in einem weiten Bogen umfahren werden, da es auf dem Deich seit einigen Jahren leider keinen Weg mehr gibt. Nach 3,5 km geht es bei Bienen aber wieder rechts in die Rheinauen. Über Zur Rosau, Spyck und Ward erreichen wir schließlich Rees und lassen den Tag in einem Lokal an der Promenade mit weitem Blick über den Strom ausklingen. Andreas Domanski