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Rad am Rhein ist umgezogen. Nach zehn Jahren erfolgreicher Zusammenarbeit probieren die Kreisverbände links und rechts des Rheins seit Früjahr 2011 unterschiedliche Wege. Das Magazin der Düsseldorfer ADFC heißt weiter Rad am Rhein und ist jetzt hier zu finden. Die ADFC-Verbände Rhein-Kreis Neuss und Krefeld/Viersen haben ein eigenes Magazin "Rad am Niederrhein" aufgelegt, das Sie hier finden können.

Falträder: Klappt doch prima!

Seit in den sechziger Jahren auf Kofferraumgröße gestauchte Klappräder minderer Qualität den Markt eroberten, steht diese Gattung in einem schlechten Ruf. Hochwertige Klappräder, die sich schon mit ihrem Namen - „Falträder“ - von ihren unseligen Ahnen distanzieren, bietet der Markt seit den 80er Jahren in zunehmender Zahl. Und wenn die Deutsche Bahn die Möglichkeiten der Fahrradmitnahme tatsächlich so drastisch einschränken wird, wie sie es angekündigt hat, dann wird der umweltbewusste Zeitgenosse vielleicht bald gezwungen sein, sich ein Faltrad zuzulegen.

Dort, in Bussen und Bahnen, sind viele ihnen schon begegnet, denn dort kommen ihre Vorteile voll zum tragen: Beim schnellen Zubringerverkehr über wenige Kilometer zum nächsten Bahnhof sind sie allen anderen Verkehrsmitteln überlegen:

  • dem Fußgängerverkehr, weil das Faltrad schneller ist
  • dem Auto, weil es zielgenauer ist (von der Haustür zum Bahnsteig)
  • Bussen und Straßenbahnen, weil der Zugang zur Haltestelle und Wartezeiten entfallen
  • „normalen“ Fahrrädern, weil jene meist - dem Diebstahlrisiko ausgesetzt - am Bahnhof zurückgelassen werden.
Das Faltrad dagegen wird in wenigen Augenblicken in ein handliches, transportables Fahrradknäuel verwandelt und reist dank „Tarnkappe“ (Abdeckhülle) ganz offiziell als Handgepäck mit. Ein eigenes Fahrradticket muss nicht gelöst werden.

Dass Falträder mit ihren winzigen Rädchen gegenüber ausgewachsenen Fahrrädern ein Kompromiss sind, sieht der Betrachter auf den ersten Blick. Wer aber erwartet, dass sich der Einsatzzweck auf Kurzstrecken beschränkt, wird angenehm enttäuscht sein. Die Sitzposition ähnelt der Position auf „großen“ Fahrrädern und erlaubt auch längere Touren, und auch die technische Ausstattung ist mit mehr oder weniger umfangreichen Schaltungen, angepassten Übersetzungen und funktionellen Bremsen auf der Höhe der Zeit. Der Autor dieser Zeilen ist nicht der einzige, der schon 100 Tageskilometer im Sattel eines Faltrades zurückgelegt hat und am Abend jenes Tages nicht mehr Erschöpfung verspürte, als auch ein Tourenrad mit sich gebracht hätte. Die Fahreigenschaften sind ein wenig gewöhnungsbedürftig: Wer erstmals auf einem Faltrad sitzt, hat den Eindruck eines zappeligen, kleinen Fahrrades. Das gibt sich aber nach kurzer Zeit. Dann lernt man die Sprintfreudigkeit und Wendigkeit schätzen, die die kleinen Laufräder mit sich bringen.

Aber was können diese Dinger wirklich? Wenn Falträder keine Nachteile gegenüber anderen Fahrrädern hätten, dann gäbe es nur noch Falträder. Irgendwelche Nachteile müssen sie also haben:

  1. Da wäre als erstes der Preis zu nennen. Ein gutes Faltrad kostet leicht 2.000,-- DM und mehr.
  2. Unter schwierigen Bedingungen (Glätte, sehr schnelle Abfahrten, Gelände) vermitteln Falträder der Fahrerin oder dem Fahrer früher das Gefühl, den Grenzbereich errecht zu haben.
  3. Es gibt weniger Möglichkeiten zum Gepäcktransport.
  4. Konstruktionsbedingt lässt sich Standardzubehör an Falträdern häufig nicht anbringen.
  5. An Falträdern lassen sich keine Kindersitze anbringen, und auch für Fahrradanhänger sind die meisten Falträder wegen des gefederten Hinterbaus nicht geeignet (Überbelastung der Schwingenlager).
Dieser Artikel kann keine umfassende Kaufberatung bieten, das soll dem qualifizierten Fahrradfachhandel vor Ort vorbehalten bleiben. Darum sollen hier nur die beiden bekanntesten und meistverkauften Falträder vorgestellt werden, nämlich B & B: das Birdy aus dem Hause Riese und Müller und das Brompton.

Beginnen wir mit dem Brompton, das der ADFC 1997 zum Fahrrad des Jahres gekürt hat. Das Packmaß ist mit 57 x 55 x 25 cm nach wie vor ungeschlagen. Mehr als zwei Jahrzehnte kontinuierlicher Weiterentwicklung sind nicht spurlos an der Konstruktion vorübergegangen, und heute darf es uneingeschränkt als ausgereift und alltagstauglich bezeichnet werden. Wer die Reihenfolge der fünf Faltschritte einmal verinnerlicht hat, bewältigt diesen Vorgang in etwa 20 Sekunden. Das Brompton gibt es mit drei oder fünf Gängen, die Preise beginnen bei ca. 1.350,-- DM für das spartanische C-Modell und enden bei etwa 2.100,-- DM für das T5 mit fünf Gängen, Schutzblechen, Gepäckträger, Faltpedal und Lichtanlage. Außerdem gibt es ein umfangreiches, maßgeschneidertes Zubehörsortiment, das unter anderem spezielle Gepäcktaschen bietet - denn normale Fahrradtaschen passen nicht an das Brompton. Eine konstruktionsbedingte Schwäche des Brompton ist die eingeschränkte Nutzung des Gepäckträgers, der - bei eingeklapptem Hinterbau - als Ständer fungiert, was natürlich voraussetzt, dass er leer ist. Ist er beladen, kann man das Brompton mangels Ständer nur anlehnen.

Viel sportlicher dagegen kommt das Birdy aus dem Hause Riese & Müller daher. Es ist voll gefedert und mit sieben bis 21 Gängen ausgestattet. Die Sitzposition ist, anders als beim Brompton, deutlich auf aktives, sportliches Radfahren ausgelegt. Die Preise beginnen bei ca. 2.000,-- DM für das nackte „Birdy Red“ mit Siebengang-Kettenschaltung und reichen bis zu 3.200,-- DM für das noble „Birdy Elox“. Wer Schutzbleche, Gepäckträger, eine Lichtanlage oder einen Ständer haben möchte, muss tiefer in die Tasche greifen und maßgeschneidertes Zubehör montieren. Ein Vorteil des Birdy ist allerdings die Tatsache, dass sich am Gepäckträger bzw. am Low-Rider normale Fahrradtaschen anbringen lassen.

Einen vierstelligen Preise für ein Fahrrad - noch dazu für ein Faltrad - auszugeben, mag vielen Menschen widerstreben. Sie sollten allerdings bedenken, dass ein gutes Faltrad, das mit sinnvollem Zubehör ausgestattet ist, so viel Flexibilität bietet, dass es in Kombination mit Bus und Bahn ein Auto, das meist ohnehin nur mit einer Person besetzt ist, ersetzen kann. Selbst der Unterhalt eines Kleinwagens bedeutet monatliche Kosten in Höhe von etwa 500,-- DM, wenn man ehrlich rechnet - aber wer tut das schon.

Und dann ist da noch ein Aspekt, den manche als Vorteil, manche als Nachteil empfinden werden: Falträder sind „kontaktfreudig“ - denn wer ein Fahrrad zusammenfaltet, erregt Aufmerksamkeit und erntet neugierige Blicke.

Michael Pastoors