ADFC Kreis Neuss Fahrradportal Mönchengladbach ADFC Kreis Mettmann ADFC Krefeld / Kreis Viersen ADFC Düsseldorf
 
suchen
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Rad am Rhein ist umgezogen. Nach zehn Jahren erfolgreicher Zusammenarbeit probieren die Kreisverbände links und rechts des Rheins seit Früjahr 2011 unterschiedliche Wege. Das Magazin der Düsseldorfer ADFC heißt weiter Rad am Rhein und ist jetzt hier zu finden. Die ADFC-Verbände Rhein-Kreis Neuss und Krefeld/Viersen haben ein eigenes Magazin "Rad am Niederrhein" aufgelegt, das Sie hier finden können.

Sind Liegeräder alltagstauglich?

Der Autor auf dem Kurzliegerad mit Anhänger und kompletten ADFC-Infostand
 
 
Mit dem Liegerad in dem Verkehr? Da wird man ja ständig übersehen! So lautet ein gängiges Vorurteil, das sich dadurch zu bestätigen scheint, dass man selten Liegeräder im Alltagsverkehr sieht und anscheinend Liegeräder nur als Zweit- und Drittfahrräder angeschafft werden.

Mit dem Liegerad wird verreist, möglichst auf Routen mit wenig Verkehr, oder es wird Sport getrieben. Als ich mich für den Kauf eines Liegerades entschied, sollte es aus finanziellen und praktischen Erwägungen mein Erstrad sein. Im Keller war kein Platz für zwei Fahrräder, so dass ich nur für Fahrten zur S-Bahn und Notfälle ein altes "Normalrad" besitzen wollte, das draußen parken kann.

Ich entschied mich für das Tanaro, dessen höhenverstellbare Sitzposition mir für den Alltagseinsatz besonders geeignetschien. Leider riss 1997 nach gut zwei Jahren der Rahmen, so dass ich mich nach einem Ersatz umsehen musste. Aus der ge machten Erfahrung sollte der neue Lieger folgende Kriterien erfüllen:

  • Er sollte von einem erfahrenen, ausgebildeten Rahmenbauer entwickelt und gebaut werden.
  • Er sollte vollgefedert sein, um Pflasterstrecken und Radwegauffahrten gewachsen zu sein.
  • Er sollte sich problemlos in den Keller tragen lassen, ein Langlieger schied daher aus.
  • Er sollte einen luftigen Spannsitz haben, damit der Rücken möglichst trocken bleibt.
  • Er sollte einen stabilen Gepäckträger haben und zum Ziehen von ca. 100 kg Anhängelast geeignet sein.

Wer sich mit Liegerädern auskennt, wird zugeben , dass damit die Auswahl recht klein wurde. Meine Wahl fiel auf das Presto von Ostrad (Berlin), das ich nach nicht einmal einem Kilometer Probefahrt bestellte. Das Presto ist ein Kurzlieger mit indirekter Lenkung unter dem Sitz und erfüllt die o.g. Kriterien. Die maximale Gepäckträgerzuladung beträgt 50kg, die Anhängelast ist laut Ostrad problemlos, wenn man einen robusten Antrieb verwendet.

Seitdem bin ich rund 26.000 km damit gefahren. Der Einsatzbereich umfasste die täglichen Fahrten zur Arbeit, Einkaufs- und Freizeitfahrten, den Transport des ADFC-Infostandes sowie Tagestouren bis etwa 150 km. Ich wohne in Hilden und arbeite in im acht Kilometer entfernten und 130 m höher gelegenen Solingen-Wald. Mit der Sram 3x7 (3-Gangnabe mit 7-Gang- Kettenschaltung) bzw. seit gut eineinhalb Jahren Rohloff Speedhub (14-Gang - Nabenschaltung) sind die Steigungen kein Problem.

Für die wöchentlichen Großeinkaufstouren hänge ich meinen Bambino Transportanhänger an und manövriere das Gespann mit bis zu 90 kg Inhalt durch den samstäglichen Verkehr. Der ADFC-Infostand wiegt ca.35 kg und passt mit mehreren Kisten Informationsbroschüren, Präsentationsständern, Transparenten und was man sonst so braucht (insgesamt ebenfalls etwa 90 kg), auf den Anhänger.

Das Presto ist allen Fahrsituationen gewachsen, lediglich auf lockerem Sand oder Eis neigt es etwas früher zum Rutschen als ein Normalrad, mit dem Ergebnis, dass man auf dem Gesäß landet. Drängelgitter sind etwas schwieriger zu durchqueren.

Um zur Anfangsfrage zurückzukommen: Wenn ich ausnahmsweise mal mit dem Normalrad unterwegs bin, wird die klassische Situation "Auto überholt und biegt rechts ab" deutlich häufiger von mir erlebt als auf dem Liegerad. Warum? Meine Vermutung ist, dass die ungewohnt hohe, kreisende Bewegung der Pedalen im Augenwinkel der Kraftfahrer/innen eine Aufmerksamkeit hervorruft, die dem "Normalradler" nicht zuteil wird.

Zudem ist es mit den Augen auf Dachkantenhöhe eines PKW deutlich einfacher, Blickkontakt herzustellen oder von hinten in den Wagen zu schauen. Denn meistens erkenne ich an der Körpersprache der Fahrerin/des Fahrers, wohin der Weg gehen soll, auch wenn der Blinker nicht betätigt wurde. Zweimal bin ich bisher mit Kfz kollidiert, in beiden Fällen konnten mich die Fahrer nicht sehen, weil entweder eine Hauswand ihnen den Blick versperrte oder sie in eine völlig andere Richtung blickten . Auch bei den zahlreichen Beinaheunfällen war der Blick der Fahrer innen und Fahrer immer woanders, so dass sie selbst einen Elefanten übersehen hätten.

Wählt man ein Liegerad, auf dem man nicht tiefer sitzt als in einem Auto, ist die Übersicht auch im Stadtverkehr gut. Lediglich einen Rückspiegel solle man anbauen, weil das Umdrehen im Liegeradsitz nur eingeschränkt möglich ist. Beim Ziehen eines Anhängers bieten die kleinen Räder den Vorteil, dass die Anhängerdeichsel an der Kupplung in der Nähe der Nabe tiefer liegt als am Anhänger, so dass das Hinterrad beim Bremsen belastet wird. Beim Normalrad wird hingegen das Hinterrad oft entlastet und der Bremsweg verlängert.

Auch sonst ist das Presto ein guter Transporter: Haben Sie schon mal versucht , Holzleisten aus dem Baumarkt zu transportieren? Packtasche auf, hineinstellen und am Sitz festschnallen, und schon fährt man die senkrecht stehenden Leisten nach Hause.

Nur einen Nachteil hat es, immer liegend unterwegs zu sein: Wenn ich aus welchen Gründen auch immer, mal auf ein Normalrad steige, schmerzen nach einem Kilometer meine verweichlichten Pobacken.

Klaus de Leuw