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Rad am Rhein ist umgezogen. Nach zehn Jahren erfolgreicher Zusammenarbeit probieren die Kreisverbände links und rechts des Rheins seit Früjahr 2011 unterschiedliche Wege. Das Magazin der Düsseldorfer ADFC heißt weiter Rad am Rhein und ist jetzt hier zu finden. Die ADFC-Verbände Rhein-Kreis Neuss und Krefeld/Viersen haben ein eigenes Magazin "Rad am Niederrhein" aufgelegt, das Sie hier finden können.

Mit dem Radler des Jahres 2003 von Haus zu Haus

Tommy und sein Dienstfahrzeug
 
 
Seit 1993 vergeben Verkehrsverein und ADFC Krefeld den Titel Radler/in des Jahres an eine Person, die sich in besonderer Weise für den Radverkehr einsetzt. Stellvertretend für die radelnde Zunft der Postzusteller erhielt Thomas Nowoczyn letztes Jahr diesen Titel. Der ADFC begleitete ihn für einige Stunden bei seiner täglichen Arbeit.

Tommy, wie ihn seine Kollegen rufen, gehört zum Team der Postler für den Bereich Hüls und Inrath, deren Zentrale sich auf der Mevissenstraße befindet. Krefeld hat drei Zentralen, von denen aus das gesamte Stadtgebiet versorgt wird. Als Springer hat er keinen festen Bezirk, sondern betreut an jedem Arbeitstag einen anderen von fünf Bereichen.

Die Vorarbeiten

Morgens ab 6.00 Uhr treffen die Zusteller in ihrer Zentrale ein und beginnen mit der Handsortierung der Briefe nach einem von den Logistikern der Post erarbeiteten System. Erst wenn der letzte Brief einsortiert ist, darf der Zusteller sein Fahrrad beladen. Da weder Postler noch Rad die ganzen Briefe auf einmal bewältigen können, werden vorher grüne Beutel befüllt, die gesammelt und per Auto zu entsprechenden Ablagestellen gebracht werden.

Das Postrad

Gegen 8.30 Uhr sind die Ersten mit dem Sortieren der Morgenpost fertig und beladen ihre gelben soliden Velos. Diese verfügen über 5-Gang-Schaltung mit Wegrollsperre und Trommelbremse vorne. Ein breiter Standbügel ist am vorderen Korb montiert. Mühseliges Aufbocken bei einer Zuladung von gut 50 kg entfällt, da ein leichter Schubs mit dem Fuß ausreicht, um den Bügel nach unten zu klappen. Der Einstieg ist so niedrig, dass das ständige Auf- und Absteigen nicht zur Qual wird. Jeder Postler hat sein eigenes Rad, aber bedingt durch die einheitliche Konstruktion gibt es nur eine Rahmenhöhe. Eine optimale Sitzposition für den Fahrer ist nicht immer möglich. Einige Räder sind mit einer elektrischen Anfahrhilfe ausgestattet.

Für den Fall, dass dem Rad unterwegs mal die Luft ausgeht, wird ein Pannenspray mitgeführt. Bei schlimmeren Defekten, Kette gerissen oder ähnliches, hilft nur noch der Radtausch. Hierzu ist ein Taxiunternehmen beauftragt, das Radler und Rad zurück zur Verteilerstelle fährt. Dort wird auf ein anderes Velo umgeladen und weiter geht's.

Ab geht die Post

 
vergrößernKippsicher: Das Postfahrrad
 
 
Gegen 9.00 Uhr ging es dann zügig bis zum ersten Hausbriefkasten, die Postverteilung begann. Es folgte ein stetiges Auf- und Absteigen. Manchmal ging es zu Fuß von Haus zu Haus. Meist wurde das Gefährt geschoben oder gerollert. Mal auf dem Bürgersteig, mal auf der Straße. So wie es die Verhältnisse zulassen. Nicht immer StVO-gerecht, aber unumgänglich. Manche Straßen, häufig Einbahnstraßen, sind so eng, da bewundert man das Fahrkönnen der Postler. Wo die überall noch vorbeikommen müssen. Autos und Mülleimer verbauen den ehŽ schon schmalen Weg. Eine schon akrobatisch anmutende Aktion ist das Verteilen ohne Absteigen bei Haustüren mit untenliegendem Briefkastenschlitz. Detektivischer Spürsinn ist in Neubaugebieten gefragt. Bei nicht oder unzureichend beschrifteten Briefkästen wird der Empfänger um Kennzeichnung gebeten.

Freundlichkeit ist natürlich Trumpf bei den Zustellern und ein kleines Schwätzchen gehört auch dazu. Da die Zusteller eine festgeschriebene Route fahren, warten einige Bürger schon auf ihren Briefträger. Oft meldet auch ein Hund lautstark die Ankunft des Postlers. Übrigens sind Hundebisse Hauptunfallursache. Nur im Ernstfall wird zum Pfefferspray gegriffen. Obwohl ihm schon einige Hunde empfindlich nahe gekommen sind, hat Tommy es noch nicht benutzt.

Gegen Ende der ersten Etappe häufen sich die Häuser mit innen liegenden Briefkästen. Da hilft dem Springer nur das bekannte Klingelmännchen- Spiel. Ein-, zweimal das Klingelbrett rauf und runter, irgendein Hausbewohner wird schon öffnen und den Ruf Post erhören. Der Stammzusteller hat für viele dieser Häuser einen Schlüssel und somit eine Stück Verantwortung mehr. Noch ein letzter Brief und dann geht es zum ersten von vier kleinen grauen Kästen mit den grünen Beutel. Und das Lastrad wird für die nächste Etappe neu bestückt. Inzwischen ist es 12 Uhr und 7 km Radund Fußweg liegen hinter uns. Für den ADFC endet hier der Einblick in die Arbeit eines Zustellers.

Thomas Nowoczyn muss, nachdem der letzte Brief in den Kasten gefallen ist, zurück zur Zentrale, nicht nur um das Velo abzustellen. Unzustellbare Sendungen, Zustellurkunden, Einschreiben und Nachsendegebühren etc. müssen noch bearbeitet werden. Erst dann fährt er mit seinem Privatrad zurück nach Hüls, nicht nur sein Zustellbereich, sondern auch sein Wohnort.

Körperlich fit bleiben die Zusteller bei ihrem täglichen Dienst. Egal wie das Wetter ist, sie sorgen für eine leise und abgasarme Verteilung unserer Briefe. Unser Umweltminister müsste seine wahre Freude an so einer emissionslosen Zustellarbeit haben.

Birgit Bittner